Rückblick

Wenn wir auf die 3 Monate reine Törnzeit (ohne Vorbereitungen und Aufräumarbeiten) zurückblicken, so war es ein sehr schöner und vor allem stressfreier Urlaub auf dem Wasser. Wir werden oft gefragt (besonders von Nicht-Seglern), wie wir das miteinander aushalten, 14 Wochen auf kleinem Raum. Wir haben keine “Pflegeanleitung” dafür, aber wir haben uns nie gefetzt, wir waren zufrieden und glücklich und wir haben uns auch nie gelangweilt.

Der Törn nach Tallinn und Helsinki war lange in Planung. Die Törns der nächsten Jahre werden sicher nicht mehr mit so sehr langen Strecken anfallen. Außerdem ist es natürlich schade, dass wir die schönste Gartenzeit des Jahres in unserem Garten gar nicht genießen können. Andererseits kommen wir so auch nicht in den “Genuss” der extremen Hitzewellen und schweren Gewittern, die im Sommer in Lampertheim üblich sind.

Zum Rückblick gehört auch etwas Statistik.

Wir haben 1.760 Seemeilen zurückgelegt, das sind 3.260 Kilometer. Etwas mehr als 50% davon mussten wir Motoren. Wir waren 340 Stunden fahrender Weise auf dem Wasser (Segel und Motor), durchschnittlich 5,3 Knoten beim Segeln und 4,9 Knoten unter Motor (entspricht ca. 10 km/h). Dafür haben wir etwa 370 Liter Diesel verbraucht (das entspricht in etwa der gesamten Tankkapazität).

An (leider nur) 22 Tagen lagen wir vor Anker in Buchten. An 75 Tagen lagen wir im Hafen und haben dafür insgesamt über 1.700 € Hafengebühren bezahlt (Visby war absoluter Spitzenreiter).

Wir hatten an 24 Tagen nur Sonne, keine Wolken, jedoch waren 68 Tage wenigstens teilweise sonnig. Richtige Regentage hatten wir nur 3 mal. Gewitter hatten wir ebenfalls an 3 Tagen.

Obwohl man ja meistens alleine unterwegs ist, gibt es doch ein paar Schiffe und Leute, die wir immer wieder getroffen hatten. Am Anfang mehrmals die Tongji-er mit Michael, der dann aber Richtung Götakanal abgedreht hat; dann die ARIANE von Joachim mit wechselnder Crew (immer mal wieder zwischen Visby und Klintholm), die Engländer auf der Secret of Hurst und die Schweizer auf der Humbel Bee. Und ganz am Ende noch einen Einhandsegler auf der “Traumfänger”.

 

Heimreise über Dänemark

Klintholm

Bei West um 2-3 Beaufort verlassen wir Ystad und machen uns auf den langen Weg nach Klintholm auf Mön. Bei West ist das eine meist problemfreie Reise und wir segeln bis an die Kreidefelsen von Mön. Da wir nach 50 Seemeilen nicht auch noch nach Westen kreuzen wollen, legen wir die restlichen Seemeilen unter Maschine zurück.

Wir gönnen uns einen Ruhetag in Klintholm, bevor wir uns dann wieder auf den Weg machen. Hier treffen wir auch wieder einmal auf die Ariane, auf der Joachim nun inzwischen alleine unterwegs ist.

Vordingborg

Eigentlich wollten wir im Grönsund ankern. Der angesagte Westwind hätte uns vor Sortsø nicht gestört. Allerdings sind dort die Ankermöglichkeiten so eingeschränkt (Flachwasser, Fischernetze), dass wir dann doch nach Vordingborg weiterfahren.

Und da machen wir einen großen Fehler: In der Annahme, dass wir morgen durch die Masnedobrücke kommen, gehen wir in den Südhafen von Vordingborg (auch weil der Stadthafen sehr flach ist). Das erweist sich als schlechte Lösung, da die Brücke seit 2016 gar nicht mehr geöffnet wird und da der Hafen außerdem viel losgerissenes Seegras sammelt, das durch den Westwind in den Hafen gedrückt wird.

Femø

Unser Ziel war eigentlich Omø, aber das haben wir uns dann schnell abgeschminkt. Nachdem wir uns  endlich aus der dicken Seegrasschicht befreit und den Umweg zurück und unter der großen Brücke durch zurückgelegt hatten, empfängt uns aus West bei 5 Beaufort eine zunehmend unangenehme kurze und hohe Welle.

So planen wir um und laufen in den Leeschutz der Insel Femø. Hier können wir ohne Welle und in gutem Windschutz den Abend und die Nacht ruhig genießen. Das ist ein sehr gutes Gefühl: Du kommst mit viel Wind um die Ohren und krachenden Wellen dem Schutz der Insel immer näher und plötzlich, 100 m vor dem Strand, wird alles leise, ruhig und warm.

Omø

Nun also doch nach Omø. Der Wind hat sich gestern ausgeblasen und so tuckern wir gemütlich bei südlichen Winden um 0 – 2 Beaufort nach Omø.

Nach einem Extremhochwasser vor 2 Jahren wurde am Hafen einiges verbessert. Nicht mehr ganz so eng wie früher und – zumindest um diese Jahreszeit – nicht überlaufen.

Natürlich kommt hier noch immer die Inselfähre, die das Wasser im Hafen bei ihrem Anlagemanöver gewaltig umwälzt. Aber gute Rückdämpfer an den Festmachern halten die Bewegungen in erträglichen Grenzen und Nachts ist dann sowieso Ruhe

Thurøbund

Bei Windstille bis später leichtem Wind aus West laufen wir in den Svendborgsund und machen an einer der beiden SXK-Bojen im Thurøbund fest. Ein Abend und Sonnenuntergang wie im Bilderbuch.

Marstal

Tags darauf geht es erst mal nach Svendborg zum Tanken. Die vielen Motorstrecken fordern dann doch Nachschub, auch wenn wir noch eine Weile von den insgesamt 350 Litern Diesel fahren könnten, 185 Liter gehen dann doch in die Tanks.

Danach westlich von Tåsinge und Hjortø nach Marstal.

Kiel

Am 30. August legen wir bei Regen, trübem Wetter und südöstlichen Winden um 1-3 Beaufort die restliche Strecke nach Kiel zurück. Um 17:00 Uhr machen wir bei Rathje fest, genau drei Monate, nach dem wir am 30. Mai von dort aufgebrochen sind. Den Abend verbringen wir mit Kerstin und Friedrich bei Valerio und lecker italienischem Essen.

Und wir treffen auch noch Ilona und Guido von der Marie, mit denen wir einen sehr netten und unterhaltsamen Abend bei Bier (Guido) und Wein (Ilona, Rita, Werner) verbringen.

Der Rest ist Arbeit: Segel abschlagen und zum Segelmacher bringen (die beiden Vorsegel sind altersschwach und wir müssen uns neue schneidern lassen, das Großsegel muss kontrolliert werden), mit der Werft die Winterarbeiten besprechen uns so weiter und so fort. Und am Montag, den 4. September haben wir dann unser Auto bis zum Anschlag voll gepackt und fahren nach Lampertheim. Dort erwartet uns eine der schönsten Überraschungen, die man nach langer Abwesenheit erleben kann: Die Wohnung ist geputzt (einschließlich der Fenster und Fliegengitter), der Garten ist sauber und gepflegt und uns erwartet ein leckeres Abendessen. Salwa und Salim, ganz herzlichen Dank!!!

Figeholm bis Ystad

Figeholm

Am 11. August müssen wir uns von Figeholm verabschieden. Aber wir sind sicher, dass dies nicht das letzte Mal war, dass wir diesen freundlichen und netten Hafen besucht haben.

Solberganäset

Solberga ist unser nächstes Ziel; bereits bekannt von früheren Törns mit Ankern am Fels und auch in der Själevik, die wir jetzt ansteuern.

Der Weg dort hin ist geprägt durch stellenweise extrem enges und verwirrendes Fahrwasser, aber gut betonnt.

Die Bucht war uns früher mal etwas unheimlich, aber heute wissen wir nicht mehr, wieso. Leider ist das Wasser sehr trübe (Bewuchs, Algen und Quallen). Trotzdem – auch wenn man nicht Baden kann – ein sehr geschütztes Plätzchen. Wir sind auch nicht die Einzigen und unter anderem findet sich hier auch die “Secret of Hurst” wieder ein, die wir schon ein paar mal getroffen haben.

Mönsterås

Nach dem sonnigen gestrigen Tag hat es in der Nacht geregnet und wir müssen uns bei bedecktem Himmel wieder auf den Weg machen. Wieder enge Fahrwasser bzw. wenn man segeln könnte, fehlte der Wind. So ist eine lange Strecke motoren angesagt.

Nach Mönsterås führt eine lange, fjordähnliche Bucht. Wir waren hier schon mehrfach, allerdings sind wir nie bis zum Städtchen Mönsterås gekommen, sondern haben immer in einem Vereinshafen, wenige Seemeilen davor festgemacht. Zum Glück kommt am Nachmittag die Sonne wieder heraus und der Abend im Hafen wird mit Duschen und ausruhen recht gemütlich. Wir waren früher mit der WINDECK hier und wir müssen feststellen, dass die Liegeplätze sehr eng sind und sich die 15 cm mehr Breite sehr negativ auswirken.

Leider nicht mehr der geeignete Hafen für die Zukunft – dann wird eben vielleicht doch noch was mit dem Hafen in der Stadt.

Kristianopel

Unser Törnplan sah eigentlich Kalmar als nächstes Ziel vor. Wir verließen Mönsterås bei gutem Wind aus SW mit 3 Beaufort, der jedoch im Laufe des Tages zunächst auf W drehte, dann auf Südwest und auf 5 Beaufort mit Böen mit reichlich 6 auffrische. Wir konnten durch den Kalmarsund mit guter Fahrt segeln und da wir bereits am späten Mittag vor Kalmar standen, beschlossen wir, gleich nach Kristianopel weiter zu laufen. Also wurde ein Reff eingebunden und wir segelten am Wind mit guter Fahrt und einer Logge stets über 6 Knoten weiter nach Süden und erreichen nach 54 sm (davon nur 1,5 sm unter Motor) Kristianopel.

Gegen Abend nahm der Wind auch wieder ab und wir lagen gut geschützt und bequem in dem wohlbekannten Hafen.

Den folgenden Montag verbrachten wir bei warmem und sonnigem Wetter in Kristianopel, Wäsche waschen, duschen, etwas einkaufen (Vorrat für die nächste Station Utklippan) und spazierengehen.

Kristianopel hat noch Reste von alten Befestigungsanlagen: Lange und teils hohe Mauern, die für den inzwischen ausgeweiteten Campingplatz einen guten Windschutz bieten. Auch ein altes Feuer steht da noch, das früher der Ansteuerung diente.

Utklippan

Ja, nochmals Utklippan. Bei weitgehend sonnigem Wetter und gutem Segelwind laufen wir nach Utklippan, um uns dort auf den Weg nach Simrishamn vorzubereiten. Am Abend auf Utklippan gibt es eine Premiere: das erste Mal backen wir uns eine Pizza – natürlich in vollkommen eigener Herstellung. Unsere Befürchtungen, dass dies mit dem Gasherd nicht so gut klappen würde, bestätigen sich überhaupt nicht – alles Bestens und sehr lecker!

Der Pausentag auf Utklippan beschert und auch die Möglichkeit, mit dem Ruderboot zur Hauptschäre zu rudern und uns dort umzusehen: Leuchtturm, Vogelwarte und viele Steine der massiven Mohlen.

Außerdem gibt es vom Leuchtturm aus noch einen schönen Blick auf das Hafenbecken.

Die Thira liegt links als zweites Schiff. Man sieht im Vordergrund die Hafeneinfahrt aus der nordwestlichen Richtung und am rechten Bildrand die Einfahrt im Osten.

Der Gesamtblick vermittelt einen Eindruck von der Anlage.

Simrishamn

Am 17. August geht es dann nach Simrishamn und die 52 Seemeilen erweisen sich einmal mehr als unberechenbar. Etwa die Hälfte der Strecke wird gesegelt, der Rest unter Motor zurückgelegt. Von vollkommener Windstille bis leichtem Wind aus S bis SW um 2 Beaufort ist alles zu haben.

Erste am späten Abend, als wir schon lange im Hafen vertäut sind, kommt der Wind (wie versprochen) aus Süd mit 4 Beaufort. Außerdem bringt er Regen, was zu der außergewöhnlichen Situation führt, dass wir im Westen einen Regenbogen bekommen.

Der nächste Tag, ein Freitag, bringt uns leider unschönes Wetter mit reichlich Regen bei südwestlichen Winden um 2-3 Beaufort. Wir bleiben folglich im Hafen, gehen Einkaufen und erledigen divers kleine Arbeiten.

Am Samstag wollen wir dann aber los, der Regen hat nachgelassen und wir haben zunächst Westwind um 2 Beaufort. Die Wettervorhersage prophezeit jedoch SW mit 5 Beaufort. Dennoch probieren wir es – kehren jedoch gut drei Seemeilen vor Brandevik wieder um. An dieser Ecke kommt uns auch aus Süd eine hässliche Welle entgegen und wir wissen, dass dies nach der Ecke bei Sandhammaren noch schlimmer wird.

Also: Vernunft vor Ehrgeiz und dies beschert uns noch zwei weitere Tage in Simrishamn.

Ystad

Am Montag laufen wir dann bei sehr wechselhaften Winden (zwischen Süd mit 1 Beaufort und SW mit 6 Beaufort) nach Ystad.

Ein kurzer Einkauf (Werner muss los, weil er in Simrishamn was vergessen hat).