Wieder in Deutschland

Es war keine leichte Entscheidung, aber letztlich haben wir uns von der Reise weiter nach Osten (Danzig war mal ins Auge gefasst) entschieden und machen uns wieder auf den Weg nach Westen. Ob das die richtige Entscheidung war, wissen wir nicht. Aber es war uns einfach zu unvorhersehbar, in einer oder zwei Wochen in Danzig zu sitzen und dann gegen einen kräftigen Westwind wieder nach Kiel zu müssen.

14. und 15. Juli: Gager (Rügen)

Wir nutzen die Brückenöffnung um 8 Uhr und hoffen auf den angekündigten Westwind, auf Westsüdwest drehend, der uns nach Rügen bringen soll. Das klappt auch fast, allerdings können wir nicht geplant Sassnitz anlegen, der Wind dreht eher auf Westnordwest und wir planen um. Wir laufen in den Greifswalder Bodden ein und landen letztlich in Gager.

Am Steg in Gager

Dort gönnen wir uns einen Tag Ruhepause. Der Hafen selbst ist gut verwaltet, der Hafenmeister ist recht nett. Die Kurtaxe leider etwas unverschämt – was uns zu einer eMail an die Kurverwaltung veranlasst.

16. und 17. Juli: Sassnitz

Jetzt klappt das mit Sassnitz. Anfangs können wir noch mit einem Westnordwest mit 5-6 Bft. nur mit Genua gut Strecke machen. Vor Sassnitz dreht der Wind und lässt deutlich nach.

Der Hafen hat sich nach dem Umbau gut gemacht, die neuen Steganlagen sind sehr großzügig, Sanitäranlagen sind gut.

Natürlich holen wir die Fahrräder aus der Backskiste und machen einen Ausflug zu den Kreidefelsen.

Bei den Wissower Klippen

18. und 19. Juli: Glowe

Bei wenig Wind gehen wir auf Schleichfahrt unter Motor den Kreisefelsen entlang nach Glowe, wo wir einen Tag bleiben und die Website zu aktualisieren und diverse Arbeiten zu erledigen.

Die Wissower Klippen von unten
Am Königstuhl
Der Hafen von Glowe, im Hintergrund Kap Arkona

20. – 22. Juli: Hiddensee

Von Glowe aus geht es bei sonnigem Wetter und fast keinem Wind nach Hiddensee. Wir wollen den gut besuchten Hafen in Kloster aufsuchen, der große Hafen in Vitte ist uns zu unpersönlich. Unterwegs passieren wir das bekannte Kap Arkona mit dem Leuchtturm auf den hohen Kreideklippen.

Kap Arkona

Der Hafenmeister von Kloster empfängt uns schon am Kopf des ersten Steges und weist uns einen Platz zu; dieser Service ist heute in kaum einem Hafen noch zu finden. Es zeigt sich, dass dies jedoch nicht ohne Eigennutz geschieht, denn der Hafen ist brechend voll und wir bekommen den letzten Platz nicht im Päckchen.

Wir bleiben drei Tage hier, füllen den Proviant auf und machen den pflichtgemäßen Radausflug zum Leuchtturm Dornbusch im Norden von Hiddensee.

Leuchtturm Dornbusch

Zwischendurch erleben wir ein beeindruckendes Schauspiel mit dem Durchzug einer Warmfront. Der kräftige Wind mit 5-6 Bft aus ESE dreht mit unveränderter Stärke innerhalb von 5 Minuten auf SW.

Die Warmfront ist im Anmarsch
Die Front ist deutlich zu sehen
wenige Minuten vor der Winddrehung

Von hier aus verlassen wir Deutschland wieder und segeln Richtung Dänemark.

Polen

So richtig in Polen sind wir zum ersten Mal. Abgesehen von einem kurzen Zwischenstopp in Swinemünde vor vielen Jahren auf dem Weg vom Haff nach Bornholm.

3. Juli Trezbiez

Bei kräftigem Wind aus westlicher Richtung in Böen bis 7 Beaufort rauschen wir unter Genua-Segel durch das Haff und in die weite Odermündung auf dem Weg nach Stettin.

Teilweise müssen wir überraschend und mühsam ausgedehnte Stellnetze umfahren. Diese sind zwar gut ausgewiesen, aber man muss sehr gut Ausschau halten, um hier ungeschoren durch zu kommen. Das nächste Mal halten wir uns genau an das Fahrwasser der Großschifffahrt!

Südlich Trezbiez (früher hieß das Dorf Ziegenort) vermuten wir einen geschützten Ankerplatz, allerdings stellt sich heraus, dass die kräftige Welle im Haff “um die Ecke” kommt und wir doch relativ unruhig liegen. Aber da der Wind über Nacht meist deutlich abnimmt, lässt es sich hier aushalten.

Weinchen, dampfen, Feierabend: so lässt es sich aushalten

4. Juli Stettin

Nun geht es durch die ausgedehnte Flusslandschaft des Oderdeltas nach Süden. Segeln geht anfangs noch, aber im immer enger werdenden Flusslauf werfen wir dann doch besser die Maschine an, zumal der Wind nachlässt, je weiter wir nach Süden kommen.

In Stettin gibt es zwar einen (neuen) Stadthafen, ein Blick in Google Earth auf die Umgebung gefällt uns jedoch überhaupt nicht (als wir später in der Stadt sind, bestätigt sich dieser Eindruck) und so wählen wir einen der deutlich am Stadtrand und außerhalb gelegenen Häfen am östlichen Oderarm. Wir landen in der Marina Hotele, schön gelegen und mit allem Service (sogar einigermaßen saubere Sanitäranlagen, und alles, einschließlich Waschmaschine zum stolzen Preis von 29 € / Nacht).

5. und 6. Juli Stettin

Das Wetter lässt nun sehr zu wünschen übrig! Es ist recht kühl und regnerisch und die Aussichten auf die kommenden Tage sind auch nicht wirklich ansprechend. So machen wir Side-Seeing, Einkauf und arbeiten unsere e-Mails auf (und schreiben das Logbuch).

Stettin weist einige sehr schön sanierte Ecken in der Altstadt auf. Oftmals sind dazwischen jedoch noch sehr gammelige Gebäude, die uns an die alte Ostzone erinnern.

Beeindruckendes Patrizierhaus in der Altstadt
Nach dem Krieg wieder aufgebaute Altstadt
Jakobskirche
Teil der Hakenterrasse
Nachbau Haus des Bankier Stefan Loitz (16. Jahrhundert)

7. und 8. Juli: Stepnica

Das war eine Empfehlung eines Berliner Seglers in Stettin. Und die Empfehlung hat sich als richtig bewahrheitet! Während es draußen noch ordentlich pfeift, ist die Welle schon kurz vor der Einfahrt zum Kanal so gut wie weg und kaum ist man in dem kanalartigen Schlauch, der sich 2 sm ins Land hinein zieht, ist alles gut: kein Wind, keine Welle, angenehm warm.

Die Sanitäranlagen sind akzeptabel (EU – EFRE finanziert). Freie Plätze werden hier ungewöhnlicherweise mit blau-gelben Schildern markiert. Da wir das zu späte registriert haben, müssen wir später umlegen, weil der Eigner des von uns als frei vermuteten Platzes doch noch zurück kam. Beim Verlegen des Schiffes und bei der Suche nach einem freien Platz waren uns Andreas und Thea behilflich, die dort am Kanal ein schönes Haus haben und außerdem ein Schiff vor dem Haus. Die beiden sprechen sehr gut Deutsch und arbeiten in Berlin. Herzlichen Dank an dieser Stelle noch für Euch beide :-))

geschützter Liegeplatz im Stepnica-Kanal
Servicegebäude und Hafenmeister im Stepnica Kanal

Der Ausflug nach Miedzyzdroje, einem mondänen Ostseebad, wurde uns ebenfalls empfohlen. Mit dem Fahrrad geht es dort hin – aus zeitlichen Gründen nutzen wir nicht die Möglichkeit einer ausgedehnten Wanderung durch das sicher sehr reizvolle Naturschutzgebiet.

Strand heiß – Wasser kalt
Ein Rummel ohne gleichen

9. und 10. Juli; Kalkofen

Eine Empfehlung von Andreas und Thea – wären wir von selbst nie drauf gekommen. Auch hier geht ein kurzer Stich in das Land rein, an dessen rechter Seite ein fester Kai längsseits Liegemöglichkeiten bietet. Die Einfahrt ist schmal und bei der auflaufenden Welle fahren wir erst mal an der Einfahrt vorbei, werfen einen Blick in den Kanal und zielen dann mit guter Fahrt in die Einfahrt. Alles ist weniger schlimm als befürchtet. Da das Wenden im engen Kanal unter Maschine kaum möglich ist, drehen wir die Thira von Hand, damit sie wieder mit dem Bug zur Ausfahrt und in Windrichtung steht.

11. Juli: Swinemünde

Swinemünde dient uns als Zwischenstopp auf dem Weg zur polnischen Ostseeküste, die wir wenigstens am Anfang mal erkunden wollen. Auch hier hat sich seit unserem letzten Besuch einiges getan (natürlich ebenfalls EU-finanziert). Wir kommen zeitig an und finden problemlos einen Platz; aber gegen Abend füllt sich der Hafen deutlich und einige Ankömmlinge tun sich schwer damit, einen Liegeplatz zu finden.

12. und 13. Juli: Diewenow

Diewenow ist der erste Ostseehafen, den man man bei Seegang kaum noch anlaufen kann, da trotz langen Molen in der Einfahrt schwere Grundseen stehen können. Aber wir haben keinen Wind und kaum Welle, so dass wir problemlos die Einfahrt passieren. Es gibt eine Marina und nach einer Straßenbrücke den Stadthafen. Wir wählen den Stadthafen – eine gute Entscheidung, da es hier Platz gibt und man relativ windgeschützt liegt. Eine Straße stört kaum. Was gewaltig stört, sind die “Wassermopeds” – Jetski also – die vor dem Publikum am Stadtkai angeben, dabei einen Höllenlärm und unangenehme Wellen verursachen. Aber nach 20 Uhr am Abend kehrt Ruhe ein und man liegt ganz friedlich (solange der Wind nicht auf Südost dreht, was er nicht tut).

Diewenow, Stadthafen

Diewenow hat einen sehr schönen Strand, der bei weitem nicht so überfüllt ist und man schön entlangspazieren kann. Dabei gibt es teilweise recht beeindruckende Sandburgen zu bewundern.

Dass man in Diewenow auch lecker und preiswert Pizza essen kann, sei nur am Rande erwähnt.

Boddengewässer Ost

Nach Stralsund segeln wir Richtung Stettiner Haff im Bereich der Boddengewässer Ost.

Sonntag, 23. Juni

Von Dänholm (Stralsund) aus geht es durch den Strelasund Richtung Greifswalder Bodden. Zunächst heißt es noch fahren unter Maschine, erst im Bodden können wir dann nach 3 Kreuzschlägen Lauterbach anlegen.

Wir erreichen den alten Fährhafen in Lauterbach nach 23,5 sm (davon 13,1 unter Segeln). Leider stellt sich heraus, dass der frühere Durchgang vom Steg zum Hafenbüro, der über den Bahndamm führte, vom neuen Besitzer der Privatbahn versperrt wurde und man deswegen einen Umweg in Kauf nahmen muss. Dieser schließt fast aus, dass man zum Duschen oder aus Klo zu den Serviceeinrichtungen geht und frische Brötchen holt man auch besser direkt im Ort.

Trotzdem bleiben wir einen Tag in Lauterbach und machen einen kleinen Fahrradausflug nach Putbus durch den Schlosspark. Außerdem wird der Proviant aufgefrischt.

Dienstag, 25. Juni

Bei gutem Südost-Wind können wir mit guter Fahrt durch den Greifswalder Bodden nach Süden kommen. Trotz der hohen Temperaturen um die 30° hält der Wind mit 2-4 Beaufort einigermaßen wach.

Wir erreichen Greifswald/Wieck am späten Mittag und finden einen schönen Platz noch vor der Klappbrücke. Die Duschen sind gleich um die Ecke, Wiek ist ein schönes kleines Dorf mit Bäumen und alten Häusern.

Hier bleiben wir auch einen Tag um einen Fahrradausflug nach Greifswald zu machen.

Greifswald, Stadthaus
Greifswald Marktplatz

Freitag, 28. Juni

Wir verlassen Greifswald und machen uns bei schönem Wetter mit leichter Bewölkung und 24° auf den Weg Richtung Peenestrom. Trotz wechselnder Windrichtungen und Windstärken erreichen wir am frühen Nachmittag Peenemünde wo wir uns beim ortsansässigen Segelverein an den Steg legen. Das U-Boot-Museum interessiert uns nicht so sehr und wir haben auch keine Lust, uns in den Bauch des alten Sowjet-russischen U-Boots zu begeben. Wir gehen lieber ins Santa Maria (selbst gemachtes Eis am Nachmittag und sehr gute Pizza am Abend). Der schnuckelige Hafen ist ein sehr gute Alternative zur gegenüber liegenden Marina Kröslin.

Sandfigur in Peenemünde
Grässlich altes Sowjet-U-Boot
Liegeplatz mit Aussicht

Samstag, 29. Juni

Nun geht es durch den Peenestrom nach Süden. Die Klappbrücke Wolgast passieren wir um 12:45 und gehen wenig später im Achterwasser südlich von Zinnowitz vor Anker (nachdem wir im versandeten engen Fahrwasser nur knapp dem Festkommen entgangen sind – und das bei einem Tiefgang von 1,7 m und einer Solltiefe das Fahrwassers von 2,5 m).

Abendstimmung im Achterwasser

Sonntag, 30. Juni

Wieder geht es durch flache Fahrwasser bis zur Zecherinnen Klappbrücke, die wir ebenfalls um 12:45 passieren. Die Temperaturen erreichen inzwischen 37° und auch der frische Wind aus Süd bringt kaum Abkühlung.

Eisenbahn-Hubbrücke bei Karnin

Wir passieren die alte Eisenbahn-Hubbrücke bei Karnin und können nun endlich wieder richtig Segeln. Es geht flott voran und um kurz vor vier machen wir in Ueckermünde Lagunenstadt fest.

Wegen der heftigen Wetterlage (es sind Böen bis 8 Beaufort angekündigt, die wir im Schutz der Ferienhäuser am Liegeplatz nur abgeschwächt mitbekommen) bleiben wir bis 2. Juli hier. Es wir auch Proviant gebunkert und wir müssen uns nun entscheiden, wie es weiter geht. Wie auch immer: unsere nächste Station liegt in Polen.