Im Limfjord

Da waren wir vor vielen Jahren schon mal, hatten damals aber nicht so arg viel Zeit. Jedenfalls fiel jetzt die Entscheidung gegen Skagen für diesen Fjord, der die Ostsee (Kattegat) mit der Nordsee verbindet. Im Osten liegt Hals (ein Hafen, den wir schon öfter auf dem Rück- oder Hinweg durchs Kattegat besucht haben) und im Westen Thyborøn mit dem schmalen Durchbruch zur Nordsee. Aber Rita will ja um nichts in der Welt in die Nordsee raus, deswegen bleiben wir mit gutem Abstand von diesem Hafen ;-))

Jedenfalls erreichen wir am 1. Juli von Grenaa aus nach 44 sm Hals. Davon konnten wir immerhin 38 sm segeln (wegen ordentlicher Welle bei schneller Fahrt, bis zu 8 Knoten leicht schräg gegen die Welle, gab einige Duschen). Der Hafen ist sehr gut besucht, da er strategisch günstig liegt, und man bekommt nur schwer einen Platz. Wir haben da schon immer einen Trick, indem wir uns am Ende eines Steges vorne an zwei und achtern an einem Pfahl festmachen. Eigentlich hätte der Hafen genügend Platz, da die früher sicher zahlreiche Fischereiflotte fast nicht mehr vorhanden ist, aber offensichtlich besteht da kein Interesse an einer Erweiterung für Yachten (die kommen ja auch so).

Eisbrecher vor dem Hafen von Hals

Wir bleiben einen Tag in Hals, Rita hat entzündete Augen und muss zum Arzt, um sich ein Antibiotikum verschreiben zu lassen (beim Arzt mussten wir übrigens Mund-Nasen-Schutz tragen, vermutlich war sich das Personal dort nicht sicher, wie lange wir bereits in Dänemark sind).

Leider bleibt es bei dem kräftigen Wind aus westlicher Richtung, so dass wir beim weiteren Weg in den Limfjord unter Maschine laufen müssen. Am 3.. Juli machen wir die 16 sm nach Aalborg, passieren zunächst die Straßen- und dann die Eisenbahnbrücke um im stadtnahen Hafen einen Liegeplatz zu finden. Da wir nicht die Einzigen sind, ist das etwas schwierig, aber Rita entdeckt eine versteckte Ecke, wo wir sogar längsseits gehen können.

Der Hafen hat leider ein Problem: es sind zwei Segelclubs beheimatet, deren jeweiligen Vorsitzenden im Clinch liegen. Daher hat jeder Club eigene Stege und eigene Abrechnungssystem. Wir müssen über eine App den Liegeplatz bezahlen, die man erst mal laden muss, dann muss man sich anmelden und dann kann man bezahlen – leider klappt das bei schlechten Verbindungen nur sehr mühsam und uns erschließt sich nicht, wie jemand ohne Expertise beim Smartphone zu haben, das schaffen soll.

Wir bleiben 6 Tage in Aalborg, es regnet und stürmt und wir haben keine Lust, bei Starkwind Gegenantrag zu motoren.

Zumindest hier die Aussicht auf den Fjord einmalig
Und gleich neben uns wird es auch richtig nass; im Hintergrund die Eisenbahnbrücke

Aber die Tage werden auch genutzt, um die Fahrräder auszupacken, Proviant einzukaufen und das Städtchen (teilweise) zu besichtigen. Aalborg ist lebhaft und man kann da sicher bei gutem Wetter flanieren, in Cafés sitzen und dem Treiben zuschauen. Was uns auffällt: Corona scheint es hier nicht zu geben, Abstand ist relativ (obwohl überall auf die 1,5 m hingewiesen wird, scheinen manche eine sehr schlechte Abschätzungsmöglichkeit zu besitzen), Masken trägt keiner aber es gibt überall Handdesinfektionsmittel.

Aalborg hat angeblich die größte Kirche in Skandinavien

Ganz interessant sind die “Singenden Bäume” – ein sehr schön angelegter Park mit einem Bereich, an dem jeder Baum einen mehr oder weniger bekannten Song spielt (nicht der Baum, sondern das Gerät davor).

Kein Friedhof – die “Singenden Bäume”
Beim Vergrößern kann man die Liste auch lesen :-))

Endlich können wir am 9. Juli Aalborg verlassen – zwar immer noch unter Motor wegen dem anhaltenden Westwind, aber doch mit besserem Wetter. So landen wir nach der Agersund-Brücke und nach 25 sm in Løgstør.

Die Klappenbrücke in Agersund öffnet und alle preschen los

Von Løgstør aus wurde vor vielen Jahren ein Kanal nach Süden bis Lendrup gegraben um so den Weg über das umfangreiche Flach vor Løgstør zu umgehen. Der Anfang des Kanals wurde mit schönen Liegeplätzen ausgestattet, gute Sanitäranlagen und eine nette Umgebung.

Liegeplätze im Kanal

Von Løgstør aus geht es am 10. Juli (leider immer noch bei Westwind Gegenangriff) nach Thisted, die Strecke sind 20 sm. Thisted ist die “Hauptstadt” der Gemeinde Thy, die im Westen die berühmte jütländische Nordseeküste der Jammerbucht umfasst.

Der Hafen ist entsprechend groß, mit ausreichend Gästeplätzen und mit einer “Benutzeranleitung” auf Englisch und Deutsch. Die Sanitäranlagen sind perfekt, es gibt eine Fischladen gleich am Hafen und einen großen Supermarkt.

Wenn wir schon mal hier sind und Rita nicht in die Nähe von Thyborøn kommen will, beschließen wir, mit dem Bus nach Klitmøller zu fahren, einem Surfparadies an der Nordseeküste mit dem bezeichnenden Namen “Cold Hawaii”.

Das mit dem Bus ist zwar gut gemeint, aber nicht so einfach. Man kann nämlich keine Fahrkarte kaufen – es gibt keinen (funktionierenden) Automaten und im Bus kann man nichts kaufen. Wir erfahren, dass es eine App (!!!) gibt, über die man Dänemark-weit (!!!) öffentliche Verkehrsmittel buchen kann. Nach anfänglichen Problemen und Hilfe von freundlichen Dänen, gelingt uns auch das (aber wie bereits in Aalborg fragen wir uns, wie das die breite ältere dänische Bevölkerung hinbekommt).

Klitmøller ist ganz nett – aber man kann darauf verzichten, wenn man nicht surfen will. Werner war vor einem gefühlten halben Jahrhundert mal hier – da war das noch ruhig und nix mit Surf-Shops, Surf-Schulen, massenhaft Touristen, die mit dem Auto und Wohnwagen das ganze Örtchen verstopfen.

Dieser Blick war früher schon ähnlich

Die gruseligsten Fotos haben wir gar nicht gemacht.

Aber es war kalt und windig

Am 13. Juli verlassen wir Thisted und machen uns auf in das eigentlich schöne und ruhige Gebiet des Limfjord mit den vielen Buchten und Inselchen. Zunächst landen wir nach 18 sm, fast durchgängig gesegelt, in einem sehr einsamen und schön gelegenen Hafen in Doverodde. Die Sanitäranlagen sind grausig, eng, alt und nicht sehr einladend – aber der Hafen ist ruhig und von einem alten Siloturm aus hat man eine schöne Aussicht (da geht ein Aufzug hoch, und es gibt eine Museum – beides kann durch Entrichtung eines Obolus genutzt werden).

Ein ruhiger Hafen, ringsum gaaanz flaches Wasser
und Tümpel auf der anderen Seite

Jetzt lagen wir genug in Häfen und es ist mal wieder Ankern angesagt. Am 15. Juli geht es weiter nach Süden und nach 15 sm (davon konnten wir 12 sm segeln) erreichen wir die Ødby Bugt. Wir liegen vor dem noch immer böigen Westwind gut geschützt durch ein bewaldetes Ufer vor Anker.

In der Ødby Bugt gut geschützt
Man getraut sich fast nicht mehr, diese flammenden Postkarten-Sonnenuntergänge zu zeigen

Am 16. Juli segeln wir zunächst ganz in den Süden des Limfjord nach Stuer. Dort legen wir in der Mittagszeit kurz an und Proviant einzukaufen. Anschließend geht es an den nächsten Ankerplatz an der Ostküste der Insel Venø.

Da (mal wieder) heftig Regen auf dem Programm steht, wollen wir in einen Hafen und segeln daher am 18. Juli die 13 sm nach Fur in den Inselhafen. Die Insel ist ein beliebtes Ausflugsziel, hat auch einen Fährhafen, zu dem vom Festland aus ständig Fähren Pendeln und jede Menge Touristen (zu Fuß, mit Fahrrädern, Autos, Wohnmobilen) anlanden und wieder abholen. Wir bleiben hier und warten den Regen ab. Das Wochenende hat jedoch den Nachteil, dass in der Hafenkneipe bis 22 Uhr lautstark Trinklieder zur Darbietung gebracht werden (nicht unbedingt jedermanns Geschmack). Das wäre ja noch erträglich gewesen, aber danach wurde bis 1 Uhr per Autoradio und offenen Türen dröhnend der gesamte Hafen beschallt (fürchterliche Kreisch-Musik).

Im Hafen von Fur …
… liegen auch sehr merkwürdige Schiffe!

Nach dem Regentag geht es am 20. Juli wieder nach Süden, zunächst an einen Ankerplatz in der Astrup Vig, wo wir nach 16 sm wieder bei westlichen Winden mit 5 Beaufort einen von Hügel und Bäumen an Land gut geschützten Ankerplatz finden.

Blick aus der Bucht hinaus nach Osten

Am 21. Juli segeln wir die kurze Strecke von 8 sm weiter nach Süden nach Skive. Ein großer, geräumiger und moderner Hafen mit besten Sanitäranlagen. Für die Verproviantierung muss man jedoch knapp 2 km in die Stadt radeln.

Am 23. Juli verlassen wir Skive Richtung Livø, einer kleinen naturschönen Insel, die Werner von einem früheren Törn her kennt. Leider ist der Hafen extrem klein (ca 100 x 40 m) und bei unserer Ankunft bereits überfüllt. Wir nehmen uns also mit der Ankerboje vor dem Hafen vorlieb – was allerdings den Nachteil hat, dass wir auf den Inselbesuch verzichten und bei einem am Abend und in der Nacht auf SSE drehenden Wind ordentlich geschaukelt werden.

Unser Limfjordbesuch geht so langsam zu Ende. Da in den Folgetagen wieder mal schlechtes, regnerisches und stürmisches Wetter angesagt ist, segeln wir am 24. Juli die 25 sm nach Gjøl, einem ruhigen und bezaubernden Hafen wenige sm westlich von Aalborg. Dort wollen wir das schlechte Wetter abwarten um dann (vermutlich am 28. Juli) an Aalborg vorbei wieder nach Hals zu kommen. Zudem lässt sich die Zeit nutzen, um mal wieder – hier sogar in der Liegegebühr inbegriffen – Wäsche zu waschen, das Schiff zu reinigen (alles war salzig, da die Gischt bei Starkwind über unser Schiff ist) und auch endlich der Fenstergummierung die jährliche Pflege eingegeben zu lassen.

Am Abend nach dem heftigen Regen

Das war der Beitrag aus dem Limfjord. Der nächste wird dann schon wieder das Ende des diesjährigen Törns beschreiben: den Heimweg von Hals nach Kiel.