Segeltörn 2021

Da die Beiträge ja immer in der Reihenfolge der Erstellung auftauchen, gibt es in diesem Jahr keine Gliederung, sondern einfach fortlaufenden Text 🙂

Der Plan

Mehrfach dran vorbei gesegelt, aber nie den Abstecher gemacht, weil wir immer möglichst zügig an ein anderes Ziel kommen wollten: der Mälaren, ein Binnenseegebiet westlich von Stockholm. Es wird offensichtlich selten besucht (zumindest von Auswärtigen), der SXK (Svenska Kryssarklubben) hat dort nur wenige Bojen und eine Anfrage beim örtlich zuständigen SXK-Vertreter blieb unbeantwortet.

Damit ihr eine Vorstellung davon habt, wo sich das alles befindet und wie wir zum Mälaren gekommen sind – hier eine Übersicht:

Hin- und Rückreise entlang der schwedischen und dänischen Küste waren im Großen und Ganzen identisch – nur die Stationen waren teilweise andere

Im Mälaren selbst haben wir nur den östlichen Teil besucht, für den westlichen Teil hätten wir gut und gerne noch 3 Wochen dranhängen können.

In Södertälje kamen wir in den Mälaren, waren in Mariefred, Stallarholmen, Strängnäs, Märsön, Munsö, Stockholm

Die Statistik

Wir waren 76 Tage auf dem Schiff, 55 Übernachtungen in einem Hafen (ohne Rathje), 13 Nächte in Buchten (davon nur drei mal an SXK-Bojen, restlich vor Anker). Aus unterschiedlichsten Gründen hatten wir 29 Hafentage + 8 Tage bei Rathje zum ein- und ausräumen etc.

Zum Wetter: 15 reine Sonnentage, 18 Tage teilweise regnerisch und 7 reine Regentage; 28 Tage sonnig mit Wolken und drei Tage mit Gewitter.

Der späte Start

Mit Start im Mai war das dieses Jahr nix – erst mal mussten wir unsere Impfungen abwarten. Wobei sich im Laufe der Wochen herausstellte, dass das weder in Dänemark noch in Schweden irgendjemand interessiert hat. Aber wir haben die Impfung ja für uns gemacht.

Am 8. Juli ist dann alles gepackt und wir fahren zunächst nach Hamburg, um Kim und Anouk zu besuchen. Anouk ist gerade von einem fast einjährigen Aufenthalt in Kanada zurück. Nach einer Übernachtung landen wir dann am 9. Juli in Kiel. Vom 10. bis zum 14. Juli ist dann Segel anschlagen, einkaufen, mit Friedrich und Kerstin bei Valerio essen gehen und viel Proviant einkaufen angesagt.

Auf dem Weg in den Mälaren

Und am 15. Juli geht es dann endlich los – allerdings kaum Wind und so laufen wir unter Motor die 40 sm nach Burgtiefe auf Fehmarn – wir haben Glück, dass ein Vercharterer uns seinen eigenen Platz angeboten hat, es ist sehr voll. Das Wetter ist recht gut und insbesondere sommerlich warm. Ohne große Pause geht es gleich am nächsten Tag weiter nach Gedser. Diesmal volle Sonne, 27° und zwischendurch sogar etwas Wind. So können wir immerhin 17 sm segeln und müssen nur 13 sm unter Motor fahren.

Auch in Gedser halten wir uns nicht lange auf und machen uns auf den Weg nach Klintholm auf Mön unterhalb der Kreidefelsen. Bei sonnigem Wetter und schönem Wind aus WNW können wir 28 sm segeln und laufen nur 6 sm unter Maschine. Der Hafen von Klintholm ist gut besucht – immerhin ist das ein gerne angelaufener Hafen der Charter-Crews aus Warnemünde und Heiligenhafen.

Der Hafen von Klintholm ist gut besucht!

Wir bleiben bis Mittwoch in Klintholm und bereiten uns auf die längere Strecke nach Südschweden vor.

Kreidefelsen von Mön am Morgen

Am 20. Juli starten wir um 06:38 Uhr und erreichen nach 58 sm Ystad um kurz vor 18 Uhr. Immerhin konnten wir bei nach wie vor Wind aus WNW und 3-4 Bft 56 sm mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 6 Knoten segeln.

Auch Ystad ist gut belegt, wir finden jedoch in der hintersten Ecke an der Tankstelle ein Plätzchen, allerdings kommt wenig später eine weitere HR längsseits.

In Ystad auf dem letzten freien Platz

Zum Abendessen gibt es dann das noch in Klintholm vorbereitete scharfe Gulasch.

Auch Ystad sieht uns diesmal nur für eine Nacht und schon am nächsten Tag geht es weiter “um die Ecke” nach Simrishamn. Nach 28 sm kommen wir dort an, mussten jedoch die meiste Strecke unter Motor laufen. In Simrishamn bleiben wir zwei Tage, um uns auf die Strecke nach Utklippan vorzubereiten.

Am 23. Juli machen wir uns früh morgens um kurz nach sechs auf und hoffen, dass wir auf der 53 sm langen Strecke unter Segel voran kommen. Dies ist tatsächlich weitgehend der Fall und so kommen wir nach 44 sm Segeln mit durchschnittlich fünfeinhalb Knoten bereits nachmittags um 16 Uhr auf Utklippan an. Den Hafen haben wir schon in vorhergehenden Törnberichten beschrieben und außerdem gibt es eine Webcam, die einen guten Überblick gibt (http://www.webcams-skandinavien.de/Schweden/Cam-Utklippan.php).

Im Hafenbecken von Utklippan liegen wir im Päckchen
Im Hafenbecken von Utklippan liegen wir im Päckchen

Hier halten wir uns aber nicht lange auf und laufen am folgenden Tag die 23 sm nach Kristianopel (allerdings bei nachlassendem Wind 17 sm unter Motor). Hier bleiben wir einen Tag um etwas Wäsche zu waschen (Waschmaschine und Trockner in der Hafengebühr enthalten). Außerdem kann man auf der alten Festungsmauer einen schönen Spaziergang um die alten Festung im dänisch-schwedischen Krieg (jetzt Campingplatz und ein kleines Dorf) machen.

Spaziergang auf der alten Festungsmauer

Rund 29 Seemeilen sind es von Kristianopel nach Kalmar, die wir am 26. Juli zu 27 sm segelnd zurücklegen. Auch in Kalmar bleiben wir ein paar Tage und ergänzen unseren Proviant. Am Hafen hat sich seit unserem letzten Besuch einiges getan: die alten Lagerhallen sind den architektonisch interessanten und gelungenen Gebäuden der Linné-Universität gewichen.

Yachthafen mit Universitätsgebäude

Der erste Abend dort sieht zwar noch sehr freundlich aus, aber dann kommen Gewitter und Regen, die das Bummeln in der Stadt zu einem Glücksspiel machen. Rita findet ein paar schöne Segelschuhe, und für Skipper und Mannschaft gibt es einen besonderen Bootshacken, um Leinen “durchzuschlaufen”. Auch sonst ist der Stadtbummel – wenn auch ab und an mit Regenschauern – entspannend. Offensichtlich ist die Phase des warmen Sommerwetters leider schon wieder vorbei.

Als wir uns dann am 31. Juli nach Mönsterås aufmachen, gibt es immer mal wieder Regen, der Wind ist böig zwischen 2 und 4 Bft aus S bis W. So kommen wir zwar gut voran, aber es wird ungemütlicher.

Regenschauer in Mönsterås

Unsere nächste Station ist Figeholm, 28 sm weiter nördlich und 26 sm gesegelt. Am Anleger des ortsansässigen Segelclubs liegt man geschützt und sehr gut versorgt. Gerne bleiben wir hier zwei Tage, weil es schön ist und sehr gemütlich! Das empfinden offensichtlich nicht nur wir so.

Reichlich Besuch von Schwalben in Figeholm

Der Regen hat sich vorerst mal verzogen und die Temperaturen sind nicht mehr heiß, sondern liegen bei moderaten 22 – 24°.

Abendstimmung, Rita kommt vom Duschen

Nach Figeholm, das schon richtig im Schärengebiet liegt, geht es weiter nach Norden und nun sind nach den vielen Häfen endlich die Ankerbuchten angesagt.

Mit den engen Fahrwassern kommt auch die Zeit des Motors. Um nach Östra Eknö an den Ankerplatz zu kommen, motoren wir 22 sm, vorbei am Kernkraftwerk Oskarhamn – eine Strecke, die reichlich gewunden ist und hohe Aufmerksamkeit erfordert, um nicht außerhalb der Tonnen plötzlich auf einem Stein zu sitzen.

Am 4. August geht es weiter nach Kålmålsö, auch eine sehr schöne Bucht nicht weit vom Fahrwasser, die wir schon öfters besucht haben.

Kålmålsö, rings um von Hohen Bäumen geschützt und trotzdem viel Platz

In Kålmålsö halten wir uns nicht lange auf und machen uns tags darauf weiter nach Norden. Bei relativ sonnigem Wetter und moderatem östlichen Wind können wir von den 19 sm gut 16 sm segeln. Unterwegs fällt uns (zum wiederholten Male) auf, dass es inzwischen wieder recht viele (See- oder Fisch-)Adler gibt.

Wegen der großen Entfernung schwierig, aber die beiden haben auf dem Kümmel ihren Horst

Bei Stora Alö finden wir in der Stugvik viel Platz an SXK-Ankerbojen. Hier hat der SXK nicht nur viele Bojen ausgelegt, sondern auch einen eigenen Steg, den wir allerdings nicht nutzen.

An der SXK-Ankerboje in der Stugvik auf Stora Alö

Unsere nächste Station wäre Arkösund, 28 sm stehen an diesem Tag auf der Logge. Allerdings können wir trotz gutem Wind nur 13 sm segeln, weil es teils sehr enge Fahrwasser durch die Schären sind. Der Ostwind hat auf 4-5 Bft zugelegt und da ist der Hafen von Arkösund selbst im inneren Bereich recht unruhig. Heute wird dort aber auch noch eine Regatta ausgetragen und wir könnten nur am Steg außen liegen, was uns gar nicht behagt. Aber wir erinnern uns an ein paar Stege in der nördlich gelegenen Lindöviken. Die Eigentümer wollen uns aber (obwohl reichlich freie Plätze!) nicht haben und so liegen wir eben vor Anker. Und da es am Folgetag reichlich Regen geben soll, bleiben wir einfach einen Tag liegen und faulenzen.

Aber am Sonntag (8. August) geht es dann doch – obwohl weiter regnerisch und recht kalt mit nur noch 17-18° – weiter nach Oxelösund. Der nördlich vom Fischerhafen und stadtnah gelegene Bådhavn bietet reichlich Platz, ist jedoch bei südöstlichen Winden unangenehmem Schwell ausgesetzt. Und da der Wind nun tatsächlich aus dieser Richtung kommt, haben wir zunächst einige Bewegung im Schiff. Aber der Wind dreht wieder auf Südwest und es wird dadurch ruhiger.

Interessant ist hier das vom LIONS-Club unterhaltene kostenlose Bähnchen, das die beiden Häfen mit dem Stadtzentrum verbindet.

Außerdem gibt es auch hier Waschmaschine und Trockner – in der Hafengebühr enthalten. So bleiben wir hier drei Tage.

Der gegenüber liegende Industriehafen stört nur optisch – der Lärm durch die Be- und Entladung der Frachtschiffe ist kaum zu hören

Am 11. August geht es dann unter teils sonnigem, teils bewölktem Himmel weiter Richtung Nordost. Nach 26 sm erreichen wir Fifång, eine außerordentlich schöne und auch gut besuchte Schäre am Eingang zum Södertälje-Fjord. Fifång ist Naturschutzgebiet und bietet – wenn man sich die Zeit dafür nimmt und einen Tag hier bleibt – schöne Wanderpfade durch die ganze Insel mit seltenen Vögeln und Pflanzen. Das wollen wir uns für das nächste Mal aufheben.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg nach Södertälje, das an der Schleuse zum Mälaren liegt. Es werden 22 sm unter Maschine durch den engen Fjord und später durch künstliche Kanäle. Wirklich warm ist es nicht mehr und der Wetterbericht kündigt Regen an.

Nach Plan hat Södertälje einen größeren Hafen und als wir dort ankommen sind wir erstaunt, dass kaum ein Schiff da liegt. Der Grund ist bald gefunden: Der Hafen wird nicht mehr bewirtschaftet, weil er renoviert wird. Also kein Wasser, keinen Strom; der Code für die Toiletten bekommt man telefonisch durch einen Anruf bei der kommunalen Verwaltung.

Hier ist auch die Großschifffahrt unterwegs. Diese hier fährt übrigens Zement für Heidelberg.

Aber wir haben ausreichend Zeit, uns die Gepflogenheiten an der Schleuse von Nahem anzuschauen. Der Hub ist kaum 1 m und die Schleusenkammer ausreichend groß und man kann gut festmachen.

Kleine Runde im Mälaren

Also fahren wir am Freitag, den 13. August (!) zusammen mit einem Schweden in die Schleuse ein. Alles geht gut, auch wenn alles etwas komplizierter ist, weil wir uns an dem (vermeintlich) erfahrenen Schweden orientieren. Wir hätte das selbst etwas einfacher und besser gemacht.

In der Schleuse erst mal warten – die Berufsschifffahrt hat Vorfahrt

Aber nach rund eineinhalb Stunden sind wir durch, haben auch die letzte Brücke passiert und sind auf dem Weg nach Mariefred. Unterstützt durch den niedertourig mitlaufenden Motor erreichen wir segelnd nach rund 20 sm den Anlegekai gegenüber von Schloss Gripsholm. Gerade noch rechtzeitig können wir die Kuchenbude aufbauen, bevor der Regen einsetzt.

Blick vom Anleger Mariefred aus auf das Schloss

Unbeachtet des Regens machen wir dann am nächsten Tag einen kurzen Spaziergang durch das Schloss, das trotz des schlechten Wetters gut besucht ist. Sogar mehrere Hochzeitsgesellschaften sind da unterwegs (Den aufwändigen Brautkleidern und den dicken Autos nach sind das türkische oder arabische Hochzeitsgesellschaften – leider habe ich mich nicht getraut, da Fotos zu machen. Salwa und Salim wären beeindruckt gewesen).

Der bekannte Rundturm mit den mächtigen Kanonen davor
Der beeindruckend geschnitzte Erker mit dem Treppenaufgang zum Schlossinneren

Nachdem der zunehmend aus Westsüdwest kommende Wind die Wellen auch an den Anleger von Mariefred treibt, fliehen wir am 15. August bei Windstärken um 5 Bft in eine nahe gelegene Ankerbucht.

Während es draußen pfeift, liegen wir bei leichtem Wind geschützt in der Bucht Gunnviksviken.

Was wir im Mälaren ja so faszinierend fanden: die kleinen Schären sehen ganz anders aus als draußen: An der Westküste ist eine kleine Schäre ein Fels oder Steinhaufen mit ein bisschen Gras oder niedrigem Gestrüpp. An der Ostküste steht vielleicht mal der eine oder andere Baum auf der Minischäre. Im Mälaren steht ein “Wald” drauf, die Bäume wurzeln eben in Süßwasser.

Solche Schären gibt es nur im Mälaren

Am nächsten Tag verlassen wir die Bucht und fahren unter Maschine die 13 sm nach Strängnäs. Dabei passieren wir die Brücke Tosteröbron, die jedoch zügig öffnet (bzw. wir das Erreichen der Brücke gut getimed hatten). Das Wetter ist nach wie vor regnerisch und für die Jahreszeit viel zu kühl.

Unerwarteter Weise stellt sich Strängnäs als ein sehr nettes und im Kern altes Städtchen heraus. Der Hafen ist großzügig und es gibt eine Menge Platz, deutsche Yachten sind sowieso hier recht selten.

Viel Platz im Hafen, eine riesige Motoryacht liegt sogar längsseits

Wir bleiben – auch wegen des sehr unbeständigen Wetters – 3 Tage in Strängnäs. 20 Schritte von unserem Liegeplatz entfernt ist ein Thai-Restaurant, und wir gönnen uns eine Pause vom selber kochen. Lecker ist es auch. Ein Spaziergang durch die Altstadt und die Besichtigung der Domkirche ist sehr interessant und unbedingt zu empfehlen.

Die geschichtsträchtige Domkirche aus dem Mittelalter ist nicht nur beeindruckend, sondern beherbergt auch die Grablege einiger deutschen Adligen: Christine von Schleswig-Holstein-Gottorf, Johann Kasimir von Pfalz-Zweibrücken. Außerdem gibt es hier ein berühmte Orgel, die nach mehreren Bränden immer wieder neu gebaut wurde, zuletzt im Jahr 1804 und Umbau 1944. Interessante Details für die Orgelspezialisten unter https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_zu_Strängnäs.

Domkirche mit Obstbaumwiesen
Alte Gassen und Häuser

Für den 19. August sieht die Wettervorhersage etwas besser aus und wir verlassen Strängnäs, um bei teils sonnigem, aber noch immer recht frischem und teilweise stürmischem Wetter unseren nächsten Ankerplatz zu erreichen.

Bei der westlichen Windrichtung liegen wir nach der Passage der Klappbrücke von Märsön in Vadholmsholm gut und sicher vor Anker. Die Bucht ist nach Osten offen, so sind wir bei dem vorherrschenden WNW geschützt und haben trotzdem einen schönen Ausblick.

Am nächsten Tag geht es bei schwach umlaufendem Wind und teils sonnigem Wetter weiter zur nächsten Ankerbucht, wo wir nach einigem “Probieren” dann doch noch einen guten Ankerplatz erreichen: Smistaviken. Zuvor hatten wir bei Adelsjögarden ein Plätzchen gesucht. Laut Handbuch sogar ein Anleger – aber der war vom Verfall bedroht und ein abgesunkener Steg und alte Tampen im Wasser wirkten nicht gerade vertrauenserweckend. Also zunächst mal ein Stückchen weiter und ankern vor einem Schilfgürtel. Allerdings sagt uns dann eine aktueller Wetterbericht, dass wir in der Nacht bei der Windrichtung Nordnordwest und Windstärke 3-4 sehr ungeschützt liegen würden. Also gehen wir auf die andere Seite in ein nach Norden geschlossene Bucht Smistaviken der Insel Munsön.

Wer hat denn da das alte Holz abgelegt?

Das alte Holz am Ufer registrieren wir erst, als am Abend ein Biber um die Ecke kommt und am Ufer entlang schwimmt. Tatsächlich ein Biberbau – und wir liegen kaum 30 m davon entfernt vor Anker.

Unser Ausflug im Mälaren neigt sich so langsam dem Ende zu und wir machen uns am 21. August bei inzwischen wieder sonnigem (aber kühlen) Wetter auf Richtung Stockholm. Außerdem kann man endlich wieder mal Segeln und wir laufen nur mit Genua vor dem Wind gelassen unserem Ziel entgegen.

Bevor wir dort aber durch die Schleuse kommen, machen wir in Slagsta Marina noch eine Pause. Da wir die Beschilderung für den Gästesteg in dieser großen Marina nicht sehen (oder nicht beachtet haben) liegen wir mit schöner Aussicht auf einem freien Platz. Müssen aber zu unserer Überraschung feststellen, dass der Steg abgeschlossen ist und wir weder raus und erst recht nicht wieder rein kommen. So haben wir einen Platz mit Strom und Wasser, zahlen aber keine Hafengebühr.

Am Steg in der Slagsta Marina erleben wir einen überwältigenden Sonnenuntergang

Am 22. August fahren wir durch die engen Fahrwasser und teilweise gebaggerte Rinnen Richtung Schleuse in Stockholm.

Alte Villen säumen das Fahrwasser

Und dann haben wir die Schleuse und die Brücken in Stockholm passiert und sind wieder in der Ostsee und im Trubel des Wochenendverkehrs vor Stockholm.

Nach der Schleuse ist die Ruhe vorbei, im Hintergrund Djurgården mit dem Vergnügungspark Skansen

Wieder Richtung Kiel

Wir haben uns lange überlegt, wie es nun weitergehen soll. Hier draußen gibt es ja unzählige Ankerplätze und Buchten. Da wir nach Süden wollen (die Ålands sind ein ander Mal wieder dran), passieren wir den engen Skurusundet und den Baggensstäket Richtung Saltsjöbåden.

Nicht zu schnell und auf Gegenverkehr achten!
… und Strom steht auch!
da könnte man auch wohnen

Da wir sowieso motoren müssen, lassen wir einige Buchten, unter anderem auch die eigentlich geplante Napoleonsviken, links liegen und erreichen nach 44 sm eine schöne Ankerbucht bei Muskö – ringsum sehr geschützt. Nachdem ein Motorboot bereits an der SXK-Boje liegt, ankern wir im allerhintersten Winkel hinter Tallholmen. Früher war das alles militärisches Sperrgebiet und für Nicht-Schweden verboten.

Weiter rein geht es nicht mehr: Tallholmen bei Muskö

Und da kommt abends dann auch noch so ein runder Kopf um die Ecke durchs Wasser, schwimmt am Ufer entlang und verschwindet hinten im Schilf: ein Fischotter auf der Suche nach dem Abendessen.

Am 23. August geht es weiter durch den großen Fjord Mysingen Richtung Landsort (früher weitgehend militärisches Sperrgebiet, heute teilweise immer noch und man sieht hinter dem ersten Schärengürtel die in den Fels gesprengten Bunker). Obwohl es auf dem Weg unzählige Ankerbuchten gibt, nutzen wir die Möglichkeit zu segeln und und legen bei strahlendem Sonnenschein und nordwestlichen Winden um 3-4 Bft rund 33 sm zurück. Eigentlich wollten wir bei Lacka an eine SXK-Boje, die war aber bereits belegt und die Bucht war uns für freies Ankern dann zu eng. Aber hier gibt es ja hunderte Alternativen und so liegen wir ein wenig weiter herrlich geschützt in einer Bucht von Fågelskär.

Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage nichts Gutes, aber wir schaffen es, am 24. August bei noch sonnigem Wetter und umlaufend null Wind die 17 sm nach Oxelösund zu kommen. Dort hält uns regnerisches und stürmisches Wetter bis zum 28. August. Eine gute Chance, Proviant aufzufrischen und zum Friseur zu gehen.

Das Bähnchen in die Stadt fährt seit dem 14. August nicht mehr, die Kiosk ist geschlossen, der Hafen gehört uns fast alleine. Und als einziges Schiff im Hafen sind die Spatzen, die sich in der Saison bei vielen Schiffen und der Eisdiele im Kiosk versorgen konnten, auf uns angewiesen.

Aber selbst hier wird das Wetter wieder besser und wir verlassen am 29, August Oxelösund, lassen Arkösund rechts liegen und segeln (zumindest streckenweise) Richtung Fyrudden. Früher waren wir gerne in diesem Hafen – aber seid es den Fischverkäufer nicht mehr gibt, ziehen wir die nahe gelegene Ankerbucht Drottningsviken vor. Eigentlich eine gute Ecke für Heidelbeeren, wir gehen jedoch diesmal nicht an Land.

Aber auch hier nur eine (inzwischen kalte) Nacht, dann geht es weiter. Eigentlich hatten wir einen Ankerplatz bei Marsholmen geplant, aber bei genauer Betrachtung war uns das nicht ganz sicher, da der Ankergrund aus dichtem Bewuchs bestand. Also weiter und an eine SXK-Boje in der ruhig und abseits gelegenen und traumhaften Lindnäsviken.

Schnippeln für das Abendessen

Von hier aus geht es dann tags darauf nach Figeholm (inzwischen unser Lieblingshafen in dieser Gegend). Leider ist die Strecke im Innenfahrwasser am Kernkraftwerk Oskarhamn vorbei etwas unübersichtlich – obwohl das Fahrwasser gut ausgezeichnet, aber man muss eben gut aufpassen. Rita möchte hier nicht mehr durch, es ist zu unheimlich.

In Figeholm ist wieder ein Tag Pause angesagt, das Wetter ist weitgehend sonnig, der Wind würde kaum zum Segeln reichen. Das Beiboot wird gesäubert und eingepackt. Am Abend gehen wir in die Pizzeria – kommt zwar niemals nicht an Valerio und das Al Gambero heran, aber für schwedische Verhältnisse ist das ganz ordentlich und durchaus lohnenswert.

Für die Strecke nach Kalmar (wo theoretisch unsere Briefwahlunterlagen liegen) planen wir noch eine Pause in einer kleinen Bucht Kiddeholmen. Bis dahin sind es zwar nur knapp 11 sm und wir können immerhin teilweise segeln. Der Wind hat auf Westnordwest gedreht und schiebt mit 5 Bft schon eine ordentliche Well, so dass wir das Innenfahrwasser durch die Schären vor Ekö nehmen. Das Einlaufen in die Bucht von Kiddeholmen gestaltet sich bei der Welle abenteuerlich, da die vorgelagerten Steine gruselig aussehen. Aber alles gelingt gut und wir liegen dann gut geschützt an einer SXK-Boje.

im Hintergrund die Blå Jungfru

Erstmals auf diesem Törn müssen wir unseren Mücken-Baldachin aufspannen, der am Morgen überseht ist mit Schnaken.

Der Mückenbaldachin schützt uns vor den reichlich vorhandenen Schnaken

Diesmal lassen wir Mönsterås ausfallen und segeln direkt nach Kalmar. Das sind rund 40 sm, von denen wir 30 sm segeln können. Leider schläft am späten Nachmittag der Wind ein, so dass wir Kalmar unter Maschine erreichen.

Während wir (des Seegangs wegen) auch hier wieder das Innenfahrwasser Westlich von Bokö/Vallö nehmen, sehen wir draußen Westlich der Blå Jungfru eine Yacht, die im AIS als “Happy Our” erkannt wird. Dieses Schiff kenne wir von unserem Törn 2011 in die Bottensee und später haben wir das Schiff nochmal getroffen. Es sind tatsächlich Karsten und Andrea, wie sich herausstellt, als wir sie kurz vor der Kalmarsund-Brücke überholen. Daraus ergeben sich zwei nette Abende in Kalmar.

Was allerdings nicht da ist, sind unsere Briefwahlunterlagen. Da Wochenende ist, erreichen wir natürlich bei der Stadt Lampertheim niemand. Wir wollen aber nicht noch länger in Kalmar bleiben. Erfreulicher Weise bietet sich das Touristbüro an, die Unterlagen (so sie denn kommen) nach kostenlos (!) Kiel zu schicken. Unabhängig davon schicke ich eine eMail nach Lampertheim. Am Montag, als wir bereits in Konstantinopel sind, gibt es Rückmeldung: Die Unterlagen wurden heute nach Kalmar geschickt – na ja … da sind wir ja nicht mehr.

Das Schloss von Kalmar: in den dänisch-schwedische Kriegen hart umkämpft

Wir sind jedenfalls am 5. und 6. September in Kristianopel – da ist auch nicht mehr so viel los, die Saison geht offensichtlich zu Ende.

Am 7. September laufen wir unter Motor von Kristianopel nach Utklippan. Wir hatten uns zwar überlegt, die längere Route durch die Hanö-Bucht zu nehmen, aber die Wettervorhersage für die nächsten Tage treibt uns zur Eile, um vor dem schlechten Wetter möglichst weit Richtung Kiel zu kommen. Schließlich müssen wir ja vor dem 24. September unsere Briefwahlunterlagen in die Post werfen.

Utklippan ist diesmal herrlich einsam; die Decksalonyacht (FIFTY-FIFTY) gegenüber treffen wir auch öfters – ohne mit den Menschen in engeren Kontakt gekommen zu sein.

Wir bleiben trotz allem einen Tag auf Utklippan, das Wetter ist sonnig und schön, aber der Wind kommt mit 4 Bft aus SW und da wollen wir nicht gegenan nach Simrishamn segeln. Morgen soll es etwas besser sein – mal sehen.

Am 9. September wagen wir den Sprung: 52 sm nach Simrishamn bei schwachem Südost, aber sonnig ohne ein Wölkchen am Himmel. Unser Abschied von Utklippan wird von einer ganzen Schar Seehunden begleitet, die die Felsen rund um Utklippan bevölkern und deren Geheul einen schon früh morgens weckt. Leider nichts zum Segeln, so läuft die Maschine mit, damit wir dann am späten Nachmittag am Ziel ankommen.

Am nächsten Tag wollen wir zügig nach Ystad kommen – allerdings liegt am Morgen zunächst Nebel über Simrishamn. Als wir um halb zehn ablegen, löst sich der Nebel auf, es wird warm und sonnig – allerdings mit wenig Wind aus Nordnordwest, der dann auf Ostsüdost dreht – nix zum Segeln. Auch die FIFTY-FIFTY läuft aus, die wollen allerdings in Kåseberga zur Schiffssetzung, während wir weiter nach Ystad motoren, wo wir kurz vor drei am Nachmittag ankommen. Jetzt gibt es viel Platz im Hafen und wir können am Steg hinter der Mole längsseits liegen.

Wir bleiben übers Wochenende hier in Ystad, bummeln durch die Stadt, kaufen Proviant und beobachten wieder mal die Minks, die über Stege und eines Nachts sogar über unser Schiff rennen. Das Wetter bleibt vormittags neblig, tags über sonnig mit zunehmend kräftigerem West, der zwar den Nebel vertreibt, aber nicht unser Wind ist, um nach Klintholm zu kommen.

Am 13. September wollen wir jedoch nicht mehr länger warten. Der West verliert seine Kraft und dreht schwachwindig auf nördliche Richtungen – allerdings steht noch eine unangenehme Welle aus Südwest; zur Stabilisierung und ein wenig Unterstützung der Maschine steht das Großsegel und wir erreichen nach fast 11 Stunden und 56 sm abends um halb acht Klintholm.

Nach einem Ruhetag verlassen wir am 15. September Klintholm und sehen zu, dass wir wenigstens mal bis nach Gedser kommen. Bei einem Ostsüdost mit 3-4 Bft laufen wir zwar flott mit durchschnittlich knapp 7 Knoten. Die Welle mit 1,5 bis 2 m lässt die Thira aber teilweise kräftig rollen.

Die nächste Station wäre Heiligenhafen, aber der Wind kommt 6 Bft aus Südwest und da wollen wir nicht gegenan. Erst am 19. September verlassen wir Gedser und laufen bei einem Ostnordost mit 5 Bft und schöner Welle von achtern die 39 sm nach Heiligenhafen. Unser Mobiltelefon macht uns zwar darauf aufmerksam, dass wir bei der Einreise nach Deutschland Corona getestet oder geimpft sein müssen – so bleibt uns die Quarantäne erspart. Trotzdem stolpern wir zunächst ohne Maske ins Hafenbüro; zweieinhalb Monate Dänemark und Schweden ohne Einschränkungen erfordern nun doch wieder ein gewisse Umstellung.

Nach diesem Ritt wollen wir in Heiligenhafen einen Tag Pause einlegen, auch wenn der Wetterbericht für den übernächsten Tag schwache Winde aus Südwest und 0,1-0,2 Welle vorhersagt: dann werden wir eben nach Kiel den Motor nehmen.

Aber wie so oft in dieser Saison liegen die Wetterberichte falsch. Am 21. September haben wir zwar Südwest, anfangs mit 1 Bft – aber kaum sind wir Richtung Sperrgebiet unterwegs, legt der Wind auf 4 Bft zu und wir müssen gegen die Well anlaufen, die natürlich nicht mehr mit 20 cm daherkommt. Wegen des Schießbetriebs in der Hohwachter Bucht müssen wir den großen Umweg über die H-Tonnen nehmen und so kommen wir ziemlich abgekämpft nach 47 sm gegen Wind und Welle in Kiel an. Und natürlich kommen wir beim Einlaufen bei Rathje auch noch in den Regen, bevor wir die Kuchenbude aufbauen konnten.

Zum Glück beschert uns der nächste Tag Sonne und leichten Südwestwind, so dass es uns gelingt, die Segel zu trocknen und abzuschlagen. Das Großsegel kommt zur Kontrolle der Nähte zum Segelmacher, wir erledigen noch ein paar Einkäufe und beenden den diesjährigen Törn durch das obligatorische Abendessen mit Kerstin und Friedrich im Al Gambero. Die Briefwahlunterlagen sind auch angekommen und wir können unseren kleinen Beitrag zu einem hoffentlich stattfindenden Politikwechsel leisten.

Zum Wochenende gehts wieder nach Hause, nicht ohne einen Zwischenstop bei Kim in Hamburg.